Geschichte der Fechtabteilung

Gründerzeit
1847 kam es zur Gründung des Turnvereins Wetzlar und 32 Jahre später,

1879, auf Initiative des damaligen Turnwarts, Fritz Engel, die erste Fechtschule.

1896 wurde sie in eine eigenständige Fechtriege umgewandelt, die bis zu ihrer Auflösung mit Beginn des 1. Weltkrieg bestand hatte.

1920 kam es zur Neubildung der Fechtabteilung. Mit dem damals benannten Abteilungsleiter Herrn Baum, sind Hugo Wedekind, Lohrengel und Bangel überlieferte Namen.

1925 wird Karl Mulch Abteilungsvorstand. Gemeinsam mit Hans Mulch, Arthur Seibert und Robert Schauß beginnt eine Zeit reger Vereinsaktivität. Seit dieser Zeit ist der Name der Familie Mulch mit dem Wetzlarer Fechtsport fest verbunden.

Erstmals fochten Frauen im TV Wetzlar. Die erste Damenfechtriege auf Initiative von Frau Dr. Hanny Pfeiffer und M. Türk gegründet, brachte den Fechtsport weiter voran. Dr. Hanny Pfeiffer ist die bekannte Wetzlarer Kulturhistorikerin. Auf ihren Namen stößt man an vielen Orten in Wetzlar. So auch im Industriemuseum.

Die späten zwanziger Jahre mit ihren wirtschaftlichen und politischen Vorahnungen prägten den Fechtsport in Wetzlar. Die Vereinskasse konnte keinen Fechtmeister finanzieren. So lehrte man die Fechtlektionen nach dem Lehrbuch des italienischen Altmeisters Cavaliere Arturo Gazerra. Dieser unterwies um 1899 in Offenbach die Fechtsportler. Neben den universitären und französischen Fechtschulen, war die Prägung des Stils der Wetzlar Fechter nach italienischer Fechttradition ausgebildet. Dieser bevorzugte die bewegliche Mensur, die Gefechte wesentlich dynamischer erscheinen ließ.
Verbot und Aufbaujahre
1945 Nach der Kapitulation Deutschlands verboten die Alliierten die Ausübung des Fechtsports. Der alliierte Kontrollrat hatte in der Direktive 23 im Dezember 1945 die Ausübung des Fechtsports als paramilitärische Übung untersagt.

1949 wurde das Verbot aufgehoben. Fechter, die bis dahin ihrem Sport illegal im „Geheimen“ in Kellern und abgelegenen Orten nachgingen, konnten wieder offiziell aktiv werden. Der Fechtbetrieb in Wetzlar wurde unter der Initiative von Karl Mulch wieder aufgenommen. Die Fechtabteilung zählt 50 Mitglieder, die Zahlen stiegen stetig, ebenso die Erfolge. Auch im Sport hinterließen die Aufbaujahre ihre Wirkung. Karl Hans Mulch qualifizierte sich in den folgenden Jahren mehrfach für die Teilnahme an den Deutschen Junioren Meisterschaften.

1952 richtete die Fechtabteilung des TV Wetzlar erstmals eine Deutsche Meisterschaft aus.

1955 die Fechtabteilung des TV Wetzlar feiert das 75jährige Bestehen mit einem Drei-Städte-Wettkampf zwischen Iserlohn, Offenbach und Wetzlar. Karl Mulch erhält die silberne Ehrennadel des Hessischen Fechterverbandes. Auf den Hessischen Meisterschaften belegen die Fechtdamen den 4. Platz und erstmals ist mit Christa Rick (später Bauer) eine Wetzlarer Fechterin bei den Deutschen Friesenmeisterschaften auf Platz 2.

1957 Der TV Wetzlar feiert sein 110jähriges Jubiläum. Die Fechtabteilung zählt 40 Mitglieder.
Nationalsozialismus
1932 wurde mit erheblichem finanziellen Aufwand der erste eigene Fechtmeister aus Frankfurt unter Vertrag genommen. Mit Carbow, der für weitere hessen-nassauische Vereine tätig war, erhielten die Wetzlarer Fechter eine professionelle Ausbildung. Erste Erfolge zeichneten sich ab. Hans Mulch gelang in der Folgezeit mehrfach die Qualifikation zu den Deutschen Meisterschaften. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten machten diese auch nicht vor dem Fechtsport halt.

1934 gründete die NSDAP den „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“, dem alle bis dahin existierenden Turn- und Sportvereine unmittelbar angehörten. Diese Zwangsmitgliedschaft erfasste auch die Fechter. Der Fachverband für Fechten wurde im Rahmen der Gleichschaltung sportlicher Organisationen in das Fachamt 8 "Fechten" überführt, was das Ende der Selbstständigkeit der Fechter im Deutschen Reich darstellte. Fechten wurde Wehrsport, Nicht-Arische Mitglieder ausgeschlossen und um ihre Erfolge gebracht. Die Fechtabteilungen wurden von SA und SS durchsetzt. Wie viele andere Vereine verlor auch Wetzlar in Folge der politischen Veränderungen im Nationalsozialismus Mitglieder. Der Zweite Weltkrieg wurde zur Zäsur für den Fechtsport. Aktive Fechter wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Viele kehrten nicht mehr zurück. Genaue Zahlen sich nicht dokumentiert.

1944 Bis zur Zerstörung der Turnhalle findet das Training statt. Es war politischer Wille der Machthaber, dass der Fechtbetrieb in den Kriegsjahren kaum Einschränkung erfuhr.
Die 60er Jahre
1960 Der Frankfurter Fechtmeister Angelini trainiert die Wetzlarer Fechter. Christa Rick gewinnt die Deutsche Meisterschaft im Friesenwettkampf.

1964 übernimmt Karl Hans Mulch die Abteilungsleitung von Fred Langer. Zusätzlich ist er Gaufechtwart im Lahn-Dill Gau.

1966 Waldemar Rau übernimmt von Karl Hans Mulch die Abteilungsleitung.

1967 Die Fechtabteilung zählt 20 Aktive und 30 Passive Mitglieder. Eine Fechtausrüstung kostet 300 DM, einem durchschnittlichen Monatslohn. Mit heutiger Kaufkraft bewertet entspricht das einem Betrag von 530 €. Ein Kilo Brot kostete 1,15 DM (2,02 €), ein Kilo Butter 7,80 DM (13,72 €) auf Basis 2014. (ermittelt mit Währungsäquivalenten des Jahrs 1967 auf Basis DM).
Karl Hans Mulch wird Übungsleiter, nachdem der italienische Diplom-Fechtmeister Angelini nicht mehr bezahlt werden konnte. Der Kauf von Waffen und einer elektrischen Trefferanzeige riss ein tiefes Loch in die Vereinskasse. Trainiert wird zweimal in der Woche.

1968 Karl Hans Mulch wird vom Hessischen Fechterverband zum Bezirksfechtwart für den Bezirk Gießen gewählt.

1969 Günter Jost wird Abteilungsleiter. Viele der noch heute aktiven Fechter erlernten von ihm ihre ersten Schritte und Klingenbewegungen.
Die 70er Jahre
1973 Karl Hans Mulch und seine Frau Helga übernehmen die Abteilungsleitung. 20 Jahre werden sie dieses Amt ausüben.

1974 Eckart Delingat veröffentlicht in TV Aktuell erstmals einen Artikel über das Sportfechten. In den Folgejahren wird er zum Chronisten der Fechtabteilung. Training, einmal wöchentlich.

1975 Helga und Karl Hans Mulch absolvieren einen vom Hessischen Landesverband der Fechter angebotenen Übungsleiterkurs. Damit kann die Ausbildung des Fechtnachwuchses auf eine breitere Basis gestellt werden. Neben Grundlagen des Fechtsports, werden auch didaktische Grundsätze vermittelt. Die Fechtabteilung trainiert nun zweimal wöchentlich.

1977 Gisela Kneissl wird Hessische Meisterin der Senioren in der Altersklasse III; Helga Mulch wurde Dritte in der Altersklasse I.

1978 Die Hessischen Seniorenmeisterschaften werden in Wetzlar ausgerichtet. Nach einem Umbau in der alten TV Sporthalle standen nun zwei markierte, elektrifizierte Bahnen zur Verfügung. Damit konnte wettkampnah gefochten werden.

1979 Die Abteilung feiert ihr 100jähriges Jubiläum mit einem Florett Turnier für gemischte Mannschaften. Die Jugendarbeit der Fechtabteilung zahlt sich aus. André Trommershäuser wird Hessischer Vizemeister im Herrenflorett der B-Jugend. Weitere Ehrungen: Karl Hans Mulch erhält die Silberne, Helga Mulch und Günter Jost erhalten die Bronzene Ehrennadel des Hessischen Fechtverbandes.
Die 80er Jahre
1980 Die Fechtabteilung plant wieder einen Fechtmeister zu verpflichten.

1981 In Wetzlar werden erneut die Hessischen Seniorenmeisterschaften ausgerichtet. 59 Fechterinnen und Fechter kämpfen in der TV Halle um Titel.
Sylvester Krolikowski, mehrfacher Olympiateilnehmer und Vizemeister aus Polen und Säbel-Spezialist, wird von der Fechtabteilung als Fechtmeister zu Jahresbeginn unter Vertrag genommen. Mit einem Abteilungsbeitrag in Höhe von 10 DM/monatlich je Mitglied konnte das finanziert werden. (in 2014 ca. 15 €). Aus privaten Gründen kehrte Krolikowski jedoch gegen Jahresende wieder nach Polen zurück. In Polen herrschte Kriegsrecht. Die Gewerkschaft Solidarnosc forderte die Zulassung freier Gewerkschaften, die Freilassung politischer Oppositioneller aus den Gefängnissen und forderte damit das Machtmonopol der kommunistischen Staatsführung heraus.

1982 Nach Weggang des Fechtmeisters Krolikowski ließ die Motivation gerade unter den jugendlichen Fechtern nach. Die Fechtabteilung zählt 30 Aktive. Der Platz in der Fechthalle reicht oft nicht aus.

1983 Der Diplom-Fechtmeister Erwin Smiszek aus Katowice/Polen beginnt ab Mai als Fechtmeister. (In 2014 trainiert Smiszek den Fechtnachwuchs in allen Waffen beim Darmstädter FC).
Wetzlar gewinnt den Deutschland-Pokal gegen Gießen.

1985 Das Böse-Buben Turnier in Langen wird erstmals auch im Damenflorett ausgefochten. Monika Jost gewinnt ohne Niederlage.

1986 Erstmals wird die in der Eichendorff-Schule speziell zur Ausrichtung von Fechtturnieren neu installierte Anlage bei den Hessischen A-Jugend Meisterschaften genutzt. Neue Wege auch bei der Mitgliederwerbung. Fechten wird in Schulen live vorgeführt.

1988 Die Fechtabteilung organisiert das erste Er und Sie Turnier „Johann und Charlotte“. In Anlehnung an die Liebschaft zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Charlotte Buff.
Eingeladen werden Mannschaften aus ganz Deutschland, bestehend aus einer Florettfechterin und einem Degenfechter. Erster Freizeitaufenthalt der Fechter in der Greifensteiner Hütte des TV Wetzlar wird zum Beginn einer geliebten Tradition.

1989 Das zweite „Johann und Charlotte“ Turnier wird ein voller Erfolg. 21 Mannschaften bestreiten 420 Gefechte in der Wetzlarer TV Halle. Die Jubilarin Gisela Kneissl, über 30 Jahre in der Fechtabteilung aktiv, wird 70.
Die 90er Jahre
1990 Wetzlar ist Austragungsort der Hessischen A-Jugend Meisterschaft

1991 Thomas Prellwitz(heute Rechtsanwalt) und Bettina Streier Ernährungswissenschaftlerin und Geschäftsführerin des Body Projekt GmbH in Gießen), finden über den Gießener Uni-Fechtsport nach Wetzlar. Viele Wetzlarer Fechter nutzten die Übungszeiten der Uni-Fechter zusätzlich zum Wetzlarer Angebot. Wolfgang Grindl (heute Schriftwart beim USC-München) und Christian Zahner (heute Architekt) waren als Übungsleiter in Gießen tätig. Noch heute prägen rege Turnierbesuche und die Verbundenheit zur Uni Gießen das Vereinsleben.

Nachhaltige Erfolge: Bei der Deutschen Hochschulmeisterschaft im Damendegen sind in der Siegermannschaft zwei Wetzlarer Fechterinnen. Beim Deutschlandpokal kommt die Wetzlarer Damendegenmannschaft unter die besten 16 Teams des wiedervereinigten Deutschlands.

1993 Helga Mulch erkrankt schwer. Karl Hans Mulch gibt nach über 22 Jahren das Amt des Abteilungsleiters an Dirk Petersen weiter. Viele Fechter unterstützen Petersen dabei die Arbeit, die zuvor in den Händen des Ehepaars Mulch lag, zu bewältigen. Zu nennen sind: Klaus Balthes, Harald Händel, Susanne Hauf, Kathleen Neu, Jens Peters, Ralf Steinmüller, Christian und Daniel Zahner.

1994 Am 18. Februar stirbt nach langer Krankheit Helga Mulch. Ihre Arbeit und ihr Einsatz für die Fechtabteilung des TV Wetzlar können nicht aufgewogen werden. Der Fechtsport in Wetzlar war drei Jahrzehnte fest mit dem Namen Helga und Karl-Hans Mulch verbunden.

1995 Christian Zahner übernimmt das Amt des Abteilungsleiters. Mit Marcel Lehmann qualifiziert sich erstmals ein Jugend-Fechter des TV Wetzlar für die Deutschen Meisterschaften.

1996 Marcel Lehmann und Paul Düsterhöft qualifizieren sich for die Deutsche Meisterschaft der B-Jugend im Säbel. Johannes Streitzig belegt den 3. Platz bei den Hessischen Meisterschaften der Schüler im Säbelfechten.

Der Fechtsport in Wetzlar war drei Jahrzehnte fest mit dem Namen Helga und Karl-Hans Mulch verbunden. Noch heute prägen rege Turnierbesuche und die Verbundenheit zur Uni Gießen das Vereinsleben.
Das 21. Jahrundert